Heißt es nun „Unterbewusstsein“ oder „das Unbewusste“?

Zeichnung Unterbewusstsein nostalgisch Sigmund Freud

Warum wir bewusst das Wort „Unterbewusstsein“ verwenden

Wir werden häufig gefragt, warum wir „noch“ vom Unterbewusstsein sprechen, wenn man doch seit Sigmund Freud nur noch vom Unbewussten spricht.

Zunächst verwendete auch Freud den Begriff „Unterbewusstsein“. Er hielt ihn jedoch irgendwann nicht mehr für präzise genug, da dieses Wort nach seinem Empfinden nicht unterschied zwischen

  • dem unbewussten Teil, der jederzeit wieder ins Bewusstsein gerufen werden kann – wie einmal bewusst erlerntes und automatisiertes Verhalten (Autofahren etc.) – Freud nannte es das Vorbewusste, und
  • dem Teil, der dem Menschen nicht zugänglich ist, da er unangenehm sei und verdrängt wurde, aber gleichzeitig von dort aus unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst (laut Freud das Unbewusste). Dieser Teil sei nur mithilfe der Psychoanalyse (und ihren Werkzeugen wie freie Assoziation, Traumdeutung und Deutung von Fehlleistungen (Freudsche Versprecher)) an die Oberfläche zu bringen.

In Freuds Vergleich der menschlichen Psyche mit einem Eisberg siedelte er das Bewusstsein eines Menschen in der Spitze des Eisbergs an, das Vorbewusste knapp unter der Wasseroberfläche und das Unbewusste in „tieferen Gewässern“. Den Begriff „Unterbewusstsein“ gab Freud zugunsten der Unterscheidung zwischen Vorbewusstem und Unbewusstem auf.

In der Fühlwerkstatt haben wir uns trotzdem bewusst für den Begriff „Unterbewusstsein“ entschieden. Dies hat mehrere Gründe.

Der erste ist ganz einfach: Das Wort „Unterbewusstsein“ wird im Volksmund noch immer am meisten genutzt – quasi synonym zum Begriff „Das Unbewusste“. Es weiß also in der Regel trotz der Verwendung des Wortes „Unterbewusstsein“ jeder, was wir meinen, während sich der Begriff „das Unbewusste“ schnell neblig und wenig greifbar anfühlt.

Womit wir bei unserem zweiten Beweggrund für die Wahl des Wortes „Unterbewusstsein“ wären:

Es ist unser Ziel zu verdeutlichen, dass es leicht gehen kann, sich mit unseren „nicht bewussten“ Anteilen auseinander zu setzen. Diese Anteile befinden sich nicht irgendwo in einem nebligen, nicht greifbaren Nirgendwo, sondern sind zugänglich – wenn wir wissen, wie. Außerdem bergen sie nicht nur Unangenehmes, sondern auch viele Schätze. Es lohnt sich also, diese hervorzuholen und sich bewusst zu machen. Blockaden zu lösen und an unser wahres Potential zu gelangen. Und dadurch nicht mehr ferngesteuert, sondern bewusst und mit mehr Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.

Wir leben in einer Zeit, in der uns suggeriert wird, dass es schwierig oder gar gefährlich sei, unseren nicht bewussten Teil zu erkunden und bewusst zu machen, und dass wir dafür Hilfe benötigen. Es spricht natürlich nichts dagegen und kann sogar sehr schön oder im Falle von Traumata wichtig sein, sich in diesem Prozess begleiten zu lassen.

Jedoch ist es unsere Vision, dass die Generationen von morgen das „Unterbewusstsein“ und seine Wirkung auf ihr Leben ganz selbstverständlich kennen lernen und mit sich selbst bewusst umgehen. Dass es ganz natürlich ist, sich unbewusste Muster und Glaubenssätze anzuschauen und zu verstehen, dass wir unser Leben im Außen verändern können, wenn wir uns ansehen, was in unserem Inneren gespeichert ist und sich im Außen spiegelt. Und dass wir dafür auch Tag für Tag selbst etwas tun können, mit Hilfe von verschiedenen Methoden und Werkzeugen.

So wie wir uns gut ernähren oder Sport machen, um gesund zu bleiben, können wir uns regelmäßig Zeit für uns nehmen, um im Inneren „aufzuräumen“ und dadurch leichter und freudvoller zu leben, gesunde Beziehungen zu führen und unser wahres Potential zu entfalten. Das kann jeder Mensch, der es möchte. Und jeder Mensch kennt das Wort „Unterbewusstsein“.

Es kann leicht gehen und ist für jeden möglich – das wollen wir mit der Wahl dieses Wortes deutlich machen.

„Das Unterbewusstsein ist für mich der Raum, in dem sich all das uns Unbewusste befindet.“
(Katrin Marcus-Alic)